Das Jahr 1989 markiert einen Wendepunkt in der europäischen Geschichte. Wachsender Protest der Bevölkerung ließ die Macht der kommunistischen Parteien in den osteuropäischen Staaten schwinden und der Eiserne Vorhang öffnete sich. Aus den ehemaligen Ostblockländern entwickelten sich freie und unabhängige Staaten, was viele Menschen als Chance, aber auch als schmerzhaften Prozess wahrnahmen. Dass die Erfahrungen dieser turbulenten Zeit von Menschen in so verschiedenen Ländern wie Rumänien und Ostdeutschland geteilt wurden, das verdeutlichen die Thementage „1989 revisited“, die vom 6. bis 7. Februar an der Friedrich-Schiller-Universität Jena stattfinden.

Zum Auftakt der Thementage am Donnerstag, 6. Februar, um 16 Uhr stellen die beiden Fachbereiche Volkskunde/Kulturgeschichte und Rumänistik in den Rosensälen (Fürstengraben 27) zunächst das Jahr 1989 als Forschungsgegenstand vor. Dabei präsentieren sowohl Lehrende als auch Studierende der Universität Jena ihre Forschungsprojekte, in denen sie sich mit der jüngsten Zeitgeschichte Ostdeutschlands bzw. Rumäniens auseinandersetzen.

Im Anschluss daran findet die Vernissage zur Wiedereröffnung der Ausstellung „Wir wohnen Wort an Wort“ statt, die um 18.30 Uhr im Ausstellungskabinett des Universitätshauptgebäudes (Fürstengraben 1) beginnt. Die Ausstellung zeigt multimediale Exponate, die während einer Forschungsreise zu den deutschsprachigen Minderheiten in den südosteuropäischen Regionen Banat, Siebenbürgen und Bukowina gesammelt wurden – Regionen, die nach der Zäsur des Jahres 1989 einen regelrechten Auswanderungsschock erlebten. Insgesamt ist die Ausstellung vom 3. Februar bis zum 20. März erneut zu sehen.

Dorfstraße in der rumänischen Gemeinde Birthälm (rumänisch: Biertan), die Wissenschaftler und Studierende der Universität Jena im Rahmen einer Forschungsreise besuchten. Aus dieser Reise ging die Ausstellung „Wir wohnen Wort an Wort“ hervor, die im Rahmen der Thementage zu sehen ist. (Foto: Jennifer Kessler) 

Dorfstraße in der rumänischen Gemeinde Birthälm (rumänisch: Biertan), die Wissenschaftler und Studierende der Universität Jena im Rahmen einer Forschungsreise besuchten. Aus dieser Reise ging die Ausstellung „Wir wohnen Wort an Wort“ hervor, die im Rahmen der Thementage zu sehen ist. (Foto: Jennifer Kessler)

Schriftstellerin Ines Geipel liest aus ihrem neuesten Buch

Einen ganz persönlichen Blick auf die Wendezeit gewährt die Schriftstellerin und Publizistin Ines Geipel. Sie liest am 6. Februar ab 20 Uhr in den Rosensälen aus ihrem Buch „Umkämpfte Zone“, das – anhand der eigenen Familiengeschichte der Autorin – davon handelt, wie Verdrängung und Verleugnung der Geschichte zu einer anhaltenden Sprachlosigkeit führen.

Zum Abschluss der Thementage bietet sich am Freitag, 7. Februar, ab 14 Uhr noch die Gelegenheit, den Jenaer Stadtteil Lobeda aus einem neuen Blickwinkel zu sehen: Im Rahmen einer Stadtteilerkundung können Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen die Fassaden des Viertels schauen und dabei erfahren, auf welche Weise sich der Transformationsprozess nach 1989 in der Baupolitik des Stadtteils ausdrückt. Treffpunkt ist das Stadtteilbüro/Galerie Lobeda (Karl-Marx-Allee 28) in der Nähe der Straßenbahnhaltestelle Emil-Wölk-Straße.

Alle Programmpunkte der Thementage „1989 revisited“ sind kostenfrei. Ein Überblick über das Programm findet sich hier: https://bit.ly/30C5ZzS

Info, FSU JENA // Till Bayer

23.01.2020