In Jena ist seit heute der Betrieb von Gastronomielokalen nur noch im Straßenverkauf zulässig. Wir rechnen damit, dass der nicht systemrelevante Einzelhandel auch demnächst geschlossen wird. In Jena und im ganzen Land.

Bereits vor den Schließungen sind die Auswirkungen von Corona massiv! Hotels haben keine Gäste mehr, die Frequenzen bei Gastronomie und Einzelhandel sinken rapide. Im Einzelhandel zuletzt um mindestens 30 %. In der Gastronomie noch stärker, u.a. aufgrund von Veranstaltungsabsagen. Durch Schließungen werden Frequenz, Umsatz und Einnahmen auf Null reduziert.

Unsere Gesellschaft hat sich bei der Bekämpfung von Corona für einen Shutdown entschieden und wir werden bestmöglich daran mitarbeiten, um eine höchstmögliche Wirkung zu erzielen! Jedoch sind die Auswirkungen auf unsere Mitgliedsunternehmen enorm.

Wenn keine weiteren Maßnahmen erfolgen, werden zahlreiche Unternehmen sehr zeitnah aufgeben. Dies haben viele Mitglieder unseres Vereins bereits bestätigt. Mieten und Betriebskosten laufen weiter, Kredite laufen weiter, bestellte Waren müssen gezahlt werden. Dazu kommen die Lebenshaltungskosten des Unternehmers. Auch hier Mieten, Kredite, Versicherungen usw.

Die bisher angekündigten Maßnahmen sind für die Herausforderungen, vor der Unternehmen mit Kundenfrequenz stehen, absolut unzureichend!

Ausgleichzahlungen auch für Minijobber
Kurzarbeitergeld vernachlässigt die Mitarbeiterstruktur bei Gastronomie, Handel, Hotellerie. Minijobber erhalten kein Kurzarbeitergeld und müssen daher gekündigt werden. Diese Kündigungen sind in Teilen der Gastronomie bereits erfolgt. Für Minijobber braucht es eine ähnliche Lösung wie das Kurzarbeitergeld! Möglichst unbürokratisch und schnell!

Jenas City-Manager Hannes Wolf fordert sofortiges NothilfeprogrammJenas City-Manager Hannes Wolf fordert sofortiges Nothilfeprogramm

Fotografik, Jenafotografx // Dein-Jena.de

Kredite und Steuerstundungen sind für viele keine ausreichende Hilfe
Die Mehrheit unserer Mitgliedsunternehmen (inhabergeführte Gastronomie, Einzelhandel) hat signalisiert, dass eine Aufnahme von Krediten keine geeignete Option ist. Dem langsamen Sterben durch Steigerung der Verbindlichkeiten, ziehen viele eine schnelle Liquidation ihres Unternehmens vor. Gerade im Angesicht der fehlenden Planungssicherheit, denn niemand kann sagen, wann es wieder „normale“ Frequenz und Umsatz geben wird?
Die Gewährung von Steuerstundungen, Herabsetzung von Steuervorauszahlungen und Verzicht auch Vollstreckungsmaßnahmen sind hilfreiche Maßnahmen, aber sie helfen keinem Unternehmen, welches geschlossen ist und keinerlei Einnahmen mehr hat.

Umgehendes Handeln erforderlich
Die betroffenen Unternehmen werden in den nächsten Wochen Entscheidungen treffen (müssen), ob sie die Herausforderung annehmen oder aufgeben. Gibt es keine zusätzlichen Maßnahmen von der Landes-/Bundepolitik, werden sehr viele Unternehmen aufgeben. Die Auswirkungen werden verheerend sein. Wir können nur für die Innenstadt und nur für unsere Branchen sprechen, aber die Jenaer Innenstadt wird sich massiv negativ verändern. Leerstände, sinkende Attraktivität, Arbeitslosigkeit. In Einzelhandel und Gastronomie arbeiten 6.000 Menschen allein in der Jenaer Innenstadt! Der Einzelhandel, der ohnehin unter Druck steht, wird nicht mehr so schnell auf die Beine kommen, wenn überhaupt. Dies betrifft ebenso die Gastronomie, wenn vielleicht auch in etwas geringerem Maße. Und es wird gerade die kleinen Geschäfte und Lokale betreffen, die den Charakter einer Einkaufsdestination ausmachen.

Soforthilfe für Unternehmen in Not
Bei Maßnahmen wie den in Jena bereits vollzogenen Schließungen sind gleichzeitige unbürokratische Finanzspritzen zwingend erforderlich. Bayern hat so etwas bei der gestrigen Ausrufung des Katastrophenfalls angekündigt (Soforthilfen zwischen 5.000 und 30.000 €). Die Soforthilfen müssen bei Verlängerung der Schließungen mehrfach ausgezahlt werden.
Inhaber haben keinerlei Einkommen mehr. Dabei laufen die Ausgaben gewerblich und privat natürlich weiter. Die meisten kleinen Unternehmer halten das einen oder zwei Monate aus, aber danach ist es vorbei. Bei jungen Unternehmen ist bereits nach einem Monat Schluss. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf das Unternehmen, sondern auch auf die dahinterstehenden Personen.
Die finanziellen Soforthilfen müssen allen von Schließung und Verboten betroffenen Selbstständigen im ganzen Land kurzfristig innerhalb von spätestens einem Monat nach Verbot/Schließung zur Verfügung stehen.

Ohne weitere Maßnahmen werden viele Arbeitsplätze verloren- und viele gesunde Jenaer und Thüringer Unternehmen in Insolvenz gehen oder aufgeben!

Hannes Wolf
Citymanager

Info, Citymanagement Jena

17.03.2020