Die ersten Stunden im HomeOffice mit 2 Kindern. Viele Firmen bieten in der aktuellen schwierigen Zeit ihren Mitarbeitern HomeOffice an, damit diese nicht komplett ausfallen, da die Kitas und Schulen geschlossen sind. Die Politik hat dies beschlossen, aber leider nicht an die Eltern gedacht.

Wir sollen unbezahlten Urlaub nehmen (es soll Leute geben, die es sich nicht leisten) oder allgemein Urlaub nehmen (5 Wochen Urlaub??? Wie soll man dann die anderen 3 Wochen in den Ferien überbrücken, oder die anderen Schließtage, welche auf Eltern zukommen?). Oder HomeOffice machen.

Liebe Politiker, ich bin eines der Elternteile welche Letzteres macht. Ich bin meinem Betrieb echt sehr dankbar für diese Möglichkeit, da ich es mir als allein erziehendes Elternteil nicht leisten kann – eine der anderen Varianten in Anspruch zu nehmen. Es kam ja auch noch der Vorschlag einer Arbeitszeitverschiebung (soll man jetzt die Kinder von 6. 00 Uhr bis 20. 00 Uhr betreuen und dann 8 Stunden arbeiten?) oder auch Überstunden (weil ja auch jeder 200 davon hat *Ironie off*).

Also wie kann man sich das HomeOffice vorstellen?

Man selbst steht früh auf, fährt den Rechner hoch und hofft, dass die Kinder lange schlafen und man kurz in Ruhe arbeiten kann. Das ganze klappte bei mir eine ganze Stunde. Dann fängt es an. Die Kinder stehen auf und was macht man als Elternteil welches alleine zu Hause ist? Man setzt die Kinder erst einmal ins Wohnzimmer vor den Fernseher, welcher evtl. genau noch neben dem Rechner, wo man als Elternteil arbeitet ist. Alleine das verspricht schon den ganzen Tag eine überaus sehr wertvolle Konzentration. Wie sehr schätzt man doch das Kinderprogramm, wenn man nicht mit den Kindern raus gehen kann und den Haushalt machen muss. Von dem pädagogischen Wert einmal komplett abgesehen.

Also: Kinder früh ab vor den Fernsehr, damit man fix zum Wasserkocher in der Küche springen kann, in der Hoffnung das genau in diesem Moment keiner anruft. Weiter geht es, das Toast fix in den Toaster rein, den Kühlschrank auf, alles auf den Tisch und dann wieder nachsehen – ob es etwas Neues gibt. Schnell wieder in die Küche und den Rest holen. Die Kinder frühstücken dann mehr oder weniger ruhig im Wohnzimmer und es herrscht etwas Ruhe. Frühstück fertig, Fernsehr wieder an. Die Kinder schauen – lachen, reden dazwischen, im Fernsehr singt es oder redet es und da soll man sich konzentrieren können und neben bei noch telefonieren. Irgendwann hat man von allem dem die Nase voll und schickt die beiden Kinder ins Zimmer zum Spielen. Plötzlich schreit es. Man muss seine Arbeit unterbrechen und geht hin (immer wieder hat man im Kopf, zum Glück klingelt gerade kein Telefon und hoffentlich bleibt es – bis man den Streit deeskaliert hat ruhig).

HomeOffice .. Menschen in Jena - was sie bewegt, wie sie ihren Alltag erleben, was sie denken und fühlen

 

Völlig genervt geht man dann wieder an den Rechner und arbeitet weiter. Immer wieder wird man aus der Arbeit raus gerissen mit den Worten: Ich habe Hunger, ich habe Durst, ich möchte einen neuen Tee usw. Dann kommt das Mittagessen dran. Essen ist im Idealfall schon abends vorbereitet worden und man schiebt es in die Mikrowelle. Die Kinder essen und werden dann entweder wieder vor dem Fernsehr geparkt oder ins Zimmer geschickt. Ich persönlich finde – es ist weder pädagogisch wertvoll, noch zumutbar für den Elternteil, welcher zu Hause ist. Mit einem Kind ist es bestimmt einfacher, aber dennoch pädagogisch nicht wertvoller. Andere haben, nicht so wie ich – ein Schulkind und ein Kindergartenkind zuhause, sondern evtl. 2 Kindergartenkinder oder mehr als 2. Schulaufgaben – wollen ja auch noch gemacht werden.

Wie belastbar muss ein Mensch sein um dies wochenlang durchzuhalten, was passiert in der Zeit mit den Kindern? Welche Werte vermitteln wir den Kindern durch unsere HomeOffice Arbeit? Was passiert in der Zeit mit den Elternteil?

Meine Meinung dazu ist: es muss gehandelt werden!

Haben unsere Kinder nicht ein Recht darauf, auch pädagogisch wertvoll betreut zu werden und nicht nur ins Kinderzimmer oder vor dem Fernsehr geparkt zu werden? Haben Kinder nicht ein Recht darauf – die Aufmerksamkeit von dem zu betreuenden Elternteil zu erhalten?

Wir Eltern und auch die Betriebe müssen entlastet werden und die Kinder dürfen nicht das Gefühl haben, dass die Arbeit der Eltern wichtiger ist als Sie! Sicherlich für 1 oder 2 Tage mag dies funktionieren und auch in Ordnung sein, aber für Wochen?! Definitiv ist den Betrieben bewusst, dass die Elternteile – welche HomeOffice machen, nicht zu 100% dabei sind und nicht immer voll konzentriert. Aber welche Konsequenzen hat das?

Ich finde es toll, dass Betriebe ihren Mitarbeitern eine solche Möglichkeit geben, aber mehr aus der Not heraus. Eigentlich wollen wir alle das selbe: es einfach nur bestmöglich überstehen, aber nicht auf Kosten der Kinder, der Eltern und der Betriebe!

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Debattiert doch bitte erst einmal, wie wir Eltern unseren Kindern eine bessere Vor- Ort Betreuung bieten können, anstatt jetzt klären zu wollen, ob wir die Kita- und/ oder Hortgebühren wieder zurück bekommen! Es bringt keinem was, wenn nach den 5 Wochen die Elternteile zusammen brechen, welche jetzt diese enormen Druck erleiden müssen, weil es eben keine Option ist, un- oder bezahlten Urlaub zu nehmen, oder Überstunden oder eine Arbeitszeitverschiebung machen können. Nicht jeder hat eine arbeitssuchende Person in seinem Verwanden- oder Freundes- oder Bekanntenkreis.

Ein Leserbrief, einer jungen Frau aus Jena.

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19.03.2020