Auf einigen Kirchenglocken, die in evangelischen Gotteshäusern in Thüringen hängen, sind Hakenkreuze und andere Inschriften zu sehen, die auf den Nationalsozialismus Bezug nehmen. Diese „Nazi-Glocken“ waren im vergangenen Jahr zum Streitthema geworden: Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland spricht sich dafür aus, die Glocken abzuhängen und die Symbole zu entfernen. Denkmalschützer plädieren hingegen für eine andere Form der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und fordern den Erhalt der Inschriften.

Diskussionsrunde mit Ministerpräsident Ramelow

Wie es mit den Glocken weitergehen soll, darüber diskutieren Politiker und Kirchenvertreter am Mittwoch, 29. Januar, an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die öffentliche Podiumsdiskussion, an der auch Ministerpräsident Bodo Ramelow und Landesbischof Friedrich Kramer teilnehmen, beginnt um 17 Uhr im Hörsaal 3 am Ernst-Abbe-Campus (Carl-Zeiß-Straße 3). Sie bildet den Höhepunkt des Studientages, den die Theologische Fakultät der Universität Jena anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen unter dem Motto „Kirche mit Vergangenheit. Kirche mit Zukunft?“ ausrichtet.

Glocke_Lutherhaus: NS-Glocke aus der Bergkirche in Tambach-Dietharz (ausgestellt in der Sonderausstellung zum „Entjudungsinstitut“ im Lutherhaus Eisenach). (Foto: Sascha Willms/Stiftung Lutherhaus Eisenach)

Glocke_Lutherhaus: NS-Glocke aus der Bergkirche in Tambach-Dietharz (ausgestellt in der Sonderausstellung zum „Entjudungsinstitut“ im Lutherhaus Eisenach). (Foto: Sascha Willms/Stiftung Lutherhaus Eisenach)

Ideen für eine ansprechende Kirche mit Zukunft

Bereits im Vorfeld der Podiumsdiskussion können theologisch Interessierte beim Studientag auf ihre Kosten kommen. Ab 9 Uhr halten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Kirche in den Rosensälen (Fürstengraben 27) Vorträge zu theoretischen und praktischen Perspektiven der Kirchenarbeit. So referiert der Jenaer Theologe Prof. Dr. Karl-Wilhelm Niebuhr über die „Kirche im Neuen Testament“, während Priester Nick Papadopulos aus dem englischen Salisbury davon berichtet, wie er die vielen Touristen in seiner Kathedrale am Gottesdienst teilhaben lässt. „Mit den Beiträgen des Studientages wollen wir auch den Fragen nachgehen, wo es mit der Evangelischen Kirche im 21. Jahrhundert hingehen soll und was wir für eine gelingende und ansprechende Kirche mit Zukunft tun können“, sagt der Jenaer Kirchenhistoriker Prof. Dr. Christopher Spehr, der in seinem Vortrag die Entwicklung der Thüringer Kirche zwischen zwei Diktaturen skizziert.

Um neue Impulse für die Kirche geht es auch in den Workshops, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab 14.30 Uhr in den Rosensälen besuchen können. Die Workshops behandeln beispielsweise die einander entgegengesetzten Konzepte einer „Kirche auf dem Land“ und einer „Citykirche“ oder gehen der Frage nach, ob die Fridays-for-Future-Bewegung auch ein Thema für die Kirche ist. Um Anmeldung zu den Workshops wird gebeten unter dekanat.theologie@uni-jena.de.

 

Ein Überblick über das gesamte Programm findet sich hier: https://bit.ly/2NvJ04n.

26.01.2020