„Schweißen mag der Versuch sein, Himmel und Erde zu verbinden“, sagt der Bildhauer Wulf Kirschner. „Der Erdkern besteht aus glühendem Eisen. Eine vulkanische Situation herrscht auch beim Schweißen mit Temperaturen von drei- bis viertausend Grad Celsius.“ Mit dem Schweißgerät fertigt der Künstler Stahlskulpturen mit strengen und reduzierten Formen. 13 seiner Werke sind ab Freitag, 24. Juli, in einer neuen Ausstellung im Botanischen Garten der Universität Jena zu sehen.

Die geometrischen Körper passen perfekt zum Ort: Mit ihren korrodierten Oberflächen und schillernden Schweißtropfen fügen sie sich in den Farben- und Formreichtum des Botanischen Gartens ein. Die Oberfläche ist für den Künstler die Schnittstelle zur Poesie. Besonders deutlich wird das an dem Buchobjekt, das in Sichtweite zur Bibliothek platziert wurde und dessen Seiten nicht von ungefähr die Handschrift aus der Schweißelektrode des Künstlers tragen.

Nun lassen sich an den geschwungenen Pfaden des Botanischen Gartens stählerne Prismen, Ikosidodekaeder und andere Körper entdecken, die mit ihren klaren Kanten und interessanten Strukturen zwischen Bäumen und Blüten aus der Erde in Richtung Himmel zu wachsen scheinen.

Künstler Wulf Kirschner vor den „Acht Prismen“ im Botanischen Garten. (Foto: Marco Körner/Uni Jena)

Künstler Wulf Kirschner vor den „Acht Prismen“ im Botanischen Garten.
(Foto: Marco Körner/Uni Jena)

Die Ausstellung „Himmel und Erde | Stahlskulpturen, archimedische und platonische Körper“ des Jenaer Kunstvereins und des Botanischen Gartens kann von Freitag, 24. Juli, bis Sonntag, 27. September, im Botanischen Garten (Fürstengraben 26) betrachtet werden.

Info, FSU JENA // Axel Burchardt, M.A.

23.07.2020