Der Fachkräftemangel in Thüringen verschärft sich weiter. Die Zeiträume, in denen offene Stellen unbesetzt bleiben, sind im Freistaat inzwischen weit größer als im Bundesdurchschnitt. Um zukunftsfähig zu bleiben, sind Unternehmen darauf angewiesen internationale Arbeitskräfte anzuwerben – jedoch stoßen diese Beschäftigten in der Bevölkerung nicht nur auf Zustimmung.

Mit der Kampagne „Weltoffen miteinander arbeiten. In Thüringen“ will ein gleichnamiges Forschungsprojekt der Friedrich-Schiller-Universität Jena dazu beitragen, Vorurteile gegenüber internationalen Fachkräften abzubauen. Im Rahmen der Kampagne, die am 17. Dezember begonnen hat, werden derzeit auf großflächigen Plakaten und „Citycards“ im Raum Altenburg/Gera Zahlen und Fakten zum Fachkräftemangel in Thüringen präsentiert. Forscherinnen und Forscher vom Projektteil Interkulturelle Wirtschaftskommunikation organisieren die Aktion und begleiten sie mit wissenschaftlichen Befragungen.

Verzerrte Wahrnehmung gegenüber internationalen Fachkräften

„Hinsichtlich der Situation internationaler Fachkräfte entspricht die Wahrnehmung in der Thüringer Bevölkerung häufig nicht der tatsächlichen Faktenlage“, sagt Prof. Dr. Jürgen Bolten vom Bereich für Interkulturelle Wirtschaftskommunikation der Universität Jena. „So wird teilweise angenommen, dass über 70 Prozent der Zugewanderten arbeitslos sind, doch in Wirklichkeit liegt diese Quote bei nur 15 Prozent.“ Bolten leitet das Projekt gemeinsam mit der Finanzwissenschaftlerin Prof. Dr. Silke Übelmesser und dem Wirtschaftsgeographen Prof. Dr. Sebastian Henn von der Universität Jena.

5,3% .. Neue Plakatkampagne „Weltoffen miteinander arbeiten. In Thüringen“ entworfen

5,3% .. Neue Plakatkampagne „Weltoffen miteinander arbeiten. In Thüringen“ entworfen / Die Kampagne informiert u. a. über den Anteil der internationalen Beschäftigten in Thüringen. (Foto: das creative auge)

Das Team möchte – auch vor dem Hintergrund der allgemeinen demographischen Entwicklung Thüringens – den Vorurteilen mit fundierten Informationen begegnen. Auf diese Weise will es die Bedingungen für ein weltoffenes Miteinander in der Arbeitswelt verbessern. „Im März 2020 tritt ein neues Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft und viele qualifizierte Arbeitskräfte werden aus dem Ausland nach Thüringen kommen“, erläutert Bolten. „Aus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht ist es entscheidend, dass sich diese Menschen hier heimisch fühlen und bleiben wollen.“

Mögliche Ausweitung der Kampagne auf weitere Regionen in Thüringen

Das Konzept für die Kampagne basiert auf Erhebungen in Thüringer Betrieben und in der Bevölkerung sowie auf soziokommunikativen Analysen. Mit diesen Maßnahmen hatten die Jenaer Forschenden im Vorfeld nach ökonomischen und nichtökonomischen Gründen für Vorbehalte gegenüber Immigration gesucht. Im Zuge der zweiten Phase der Kampagne, die bereits für Februar 2020 geplant ist, wird die Plakataktion vermutlich auf weitere Regionen in Thüringen ausgeweitet und durch zusätzliche Medien wie Radio- und Fernsehspots ergänzt. Ab 2020 wird es außerdem ein Angebot für Thüringer Unternehmen geben, das Methoden zur Organisations- und Personalentwicklung vermittelt. Diese Methoden sollen den Unternehmen dabei helfen, qualifizierte internationale Fachkräfte langfristig zu binden.

Alle Maßnahmen werden im Rahmen des gleichnamigen Forschungsprojekts „Weltoffen miteinander arbeiten. In Thüringen“ durchgeführt. Das Projekt läuft im Zeitraum von 2019 bis 2021. Es wird mit 1,6 Mio. Euro vom Land Thüringen und dem Europäischen Sozialfonds gefördert.

Info, FSU JENA

23.12.2019